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Die Zukunft von TYPO3

Experteninterview mit Patrick Lobacher




Patrick Lobacher beschäftigt sich schon seit über 13 Jahren sehr intensiv mit dem Thema TYPO3. Als Informatiker und Geschäftsführer von zwei TYPO3-Agenturen ist er Fachmann auf dem Gebiet und veröffentlichte bereits erfolgreich zehn Fachbücher im Bereich TYPO3 und Webentwicklung. Derzeit arbeitet Lobacher an einer weiteren Publikation zum Thema TYPO3 Neos, die im März 2015 veröffentlicht wird. Zudem ist er beratend auf Konferenzen, wie zum Beispiel der DWX-Developer-Week in Nürnberg tätig und arbeitet in diversen Gremien der TYPO3 Association aktiv mit. Wir haben mit ihm über das neue System „Neos“ und die zukünftige Entwicklung des TYPO3-CMS gesprochen.
    

 

 

Wohin gehen die Trends bei TYPO3 und wie wird sich das System entwickeln? Was können wir von dieser Technologie noch erwarten?

Lobacher: „Wenn man nur von TYPO3 redet, ist es momentan schwierig zu vermitteln, was man damit meint. Es ist einerseits seit 2012 die Dachmarke, andererseits aber auch gleichzeitig der Name für das CMS, welches zurzeit in der Version 6.2 zur Verfügung steht.
Das heißt eben unglücklicherweise offiziell zwar TYPO3 CMS, aber man sagt dazu oftmals nur TYPO3. Zusammengefasst werden unter diesem Namen die zwei Systeme TYPO3 CMS und TYPO3 Neos (genaugenommen auch TYPO3 Flow) und genau das ist so ein bisschen die Krux. Man hatte lange Zeit über das Berliner Manifest von 2008 festgelegt, dass Neos der Nachfolger vom TYPO3 CMS werden soll und hat darauf auch hingearbeitet, das heißt man hat dort Tools wie Extbase zur Verfügung gestellt, Strukturen geschaffen und Ähnliches. Dann hat man aber festgestellt, dass es nicht so einfach ist, weil sich auch das Content-Management an sich verändert hat.
Heute sieht man das differenzierter. Man sagt wirklich, dass man zwei CMS im Portfolio hat, die jeweils auch einen leicht anderen Fokus haben. Das TYPO3 CMS ist zum Beispiel immer noch im Fokus von „Enterprise“ angesiedelt, das heißt möglichst viele Funktionen, möglichst flexibel in allen Richtungen und möglichst kommunikativ. Anbindungen zu anderen Systemen, wie SAP, Navision oder Magento sind relativ einfach umzusetzen.


Ungefähr die Hälfe aller Dax-500-Unternehmen benutzen zurzeit TYPO3 CMS. Man geht weltweit von 350.000 Installationen aus und etwa zwei Millionen Downloads. Es ist also sehr etabliert und bei größeren Kunden, die auf Open-Source setzen, sicherlich das Tool der Wahl, obwohl es natürlich Konkurrenz-Tools im Closed-Source-Bereich gibt, die bestimmte Sachen besser lösen. TYPO3 ist zwar flexibel und leistungsfähig und wirklich eine „Kart“-Maschine, ein Arbeitstier, hat aber große Schwächen für Redakteure, Anwender und Kunden, was den Bereich Usability angeht. Gerade das Backend ist sehr schulungsaufwendig, weil es eben oft nicht intuitiv ist. Beschäftigt man sich einige Zeit nicht mit dem System, muss man noch einmal in die Schulungsunterlagen schauen und das wiederum hindert einige Leute an der Akzeptanz, das heißt sie fühlen sich schlicht unwohl.
Dieses Problem haben Enterprise CMS im Closed-Source-Bereich früh adressiert. Der Marktführer ist dort zum Beispiel „CQ" von Adobe, der die Meinung vertritt, dass Content-Management zumindest von Anwenderseite so einfach sein muss, dass ich direkt in meinen Content reinklicke und los geht‘s.

// Front-End-Editing erleichtert Redakteuren die Pflege von Inhalten 

Und das ist genau das, was Neos sich auf die Fahnen geschrieben hat. „Editor friendly“ nennt sich das dort. Das heißt ohne Schulung logge ich mich auf der Seite ein und befinde mich dann auch auf der Seite, die ich bearbeiten will. Direkt im Frontend - ohne lästige Pflegeoberfläche.

Wird Neos das bisherige TYOP3 CMS verdrängen?

Lobacher: Mittelfristig ja. Es wird kurzfristig aber nicht funktionieren können. Das liegt nicht einmal am System selbst. Neos fehlt zwar die Basis an Extensions, die es z. B. für das TYPO3 CMS gibt. Hier stehen über 6.000 Extensions zur Verfügung, die zwar nicht alle auf dem neusten Stand und sofort einsetzbar sind, etwa zehn Prozent davon könnte man aber direkt verwenden.
So etwas gibt es bei Neos noch nicht. Zudem gibt es auch noch keine Anlaufstelle dafür und kein gemeinsames Repository, das heißt einen Platz, wo man sie einpflegen, verwalten und suchen kann. Zudem fehlt der Aspekt der Infrastruktur noch komplett und ich glaube, dass das neben dem Technischen selbst eine sehr wichtige Geschichte ist, damit eine Agentur einfach mal schauen kann, was denn schon auf dem Markt ist und was schon verwendet werden kann.

Gibt es im Bereich der Open-Source-Software mit Front-End-Editing einen Konkurrenten für Neos?

Lobacher: Momentan nichts, was mir bekannt wäre. Ich bin mir aber sehr sicher, dass in Zukunft Konkurrenten kommen, da Neos jetzt den Trend des Frontend-Editings auch im Open-Source Bereich losgetreten hat. Ich bin mir sicher, dass andere Systeme da nachziehen werden. Dieser USP*, der vielleicht jetzt noch da ist, wird nicht lange halten. Um dem entgegenzuwirken, werden bei Neos voraussichtlich entsprechende weitere wichtige und innovative Funktionen nachgereicht.
Bei diesem System existieren einerseits natürlich klassische Content-Elemente, aber andererseits kann man sehr einfach flexible Content-Elemente ohne Programmierung erstellen. Will man beispielsweise einen Teaser mit zweizeiliger Überschrift, Subline und einen Link erstellen, kann man dies innerhalb von fünf Minuten zusammenbauen, ohne ein Programmierer sein zu müssen.
Die Konsequenz daraus wäre dann in der Zukunft, dass man sich per Drag-and-Drop Content-Elemente zusammenbaut und dann direkt verwenden könnte. Es kann bei Neos also sehr flexibel mit Content umgegangen werden. Wo wahrscheinlich bei den meisten anderen Systemen bereits programmiert werden müsste, kann bei diesem System über reine Konfiguration bereits sehr viel erreicht werden.

// TYPO3 Neos unterstützt noch keine Mehrsprachigkeit 

Allerdings fehlen auch noch einige wichtige Funktionen: TYPO3 Neos kann zum heutigen Zeitpunkt bezüglich des Benutzer-Interfaces zum Beispiel noch keine Mehrsprachigkeit. Das ist etwas, was man wissen muss.

 

Ist das die derzeitige Schwachstelle von Neos?

Lobacher: Genau - im Core ist es bereits vorhanden, man kann Content also mehrsprachig verwalten, aber noch nicht so, dass der Redakteur mehrsprachig eingeben kann. Dies wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im Oktober integriert werden. Weshalb es so lange dauert hat einen anderen Grund: Nicht etwa weil die Entwickler es vergessen haben, sondern weil sie diese Themen komplett generisch angegangen sind. Weil sie sich die Fragen gestellt haben: Was passiert denn eigentlich, wenn ich Sprachen abrufe? Dann muss ich natürlich eventuell an Fallbacks denken. Also wo falle ich zurück, wenn ich eine Sprache nicht übersetzt habe? Beim TYPO3 CMS gibt es das Prinzip der Standardsprache, auf die man immer zurückfällt, sollte kein Inhalt in der entsprechenden Sprachversion gepflegt sein. Ist das aber eine Sprache, die der Besucher nicht versteht, dann kommt man hier in einen Konflikt.
Ein anderes Problem ist beim CMS auch, wenn mehrere Länder existieren, in denen dieselbe Sprache gesprochen wird. Wie zum Beispiel eine deutsche Version für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz, für welche man unterschiedlichen Content pflegen muss. Will man einen weltweiten Produktlaunch in eventuell 10 Ländern um 9 Uhr machen, bräuchte man auch eine Zeitsteuerung, die sich nach der Zeit im Land richtet.
Für alle diese Fälle brauche ich ein Content-Handling, das TYPO3 CMS nicht in der Konsequenz bietet. Das ist also eine weitere Neuerung, welches das TYPO3 Neos Team als Content-Dimension bezeichnet und so vollständig in keinem anderen System vorhanden ist.

Wohin werden sich die Trends entwickeln?

Lobacher: Ich glaube, es muss wieder mehr um Content an sich gehen. Content kommt originär nicht unbedingt aus einem CMS, sondern vielleicht aus anderen Quellen, wie Facebook, Twitter oder Blogs. Neos wird in der Lage sein - so ist es zumindest architektonisch angelegt - mit diesem Content umzugehen. Das heißt, ich könnte mir zum Beispiel auf einer Webseite einen Blog anschauen, der vielleicht originär gar nicht von der Seite kommt, kann ihn aber dort editieren, obwohl er eigentlich woanders gehostet ist.  Natürlich müssen vorher die entsprechenden Rechte abgeglichen werden.

// Social-Media-Sharing muss intelligenter funktionieren 

Es gibt Ideen, bei denen der Content weggeht von der klassischen Seite an sich. Man hat nicht immer nur eine Seite, sondern kann vielleicht umschalten zu streambasierten Inhaltselementen, ähnlich zu Facebook und Twitter. Dieser Strom an Informationen, der  konsolidiert wird, läuft vielleicht nur auf einer Seite zusammen, sodass man dort RSS-Feeds entsprechend intelligent einbindet, aber gleichzeitig alles editierbar hält. Social-Media-Sharing muss also sehr viel intelligenter funktionieren.

Wie hält man sich am besten auf dem Laufenden?

Lobacher: Twitter ist wahrscheinlich das aktuellste Medium, weil dort nahezu alle Core-Entwickler ihre Informationen posten. Außerdem kann man mit Filtern nach den TYPO3- oder Neos-Teams selbst suchen, schneller kommt man eigentlich fast nie an Informationen. TYPO3.org bietet einen News- und einen RSS-Feed, den man abonnieren kann. Die TYPO3 Conference (T3CON) ist sicherlich die beste Veranstaltung aus der Sicht des Endkunden und der Agenturen.
Wer es jedoch technischer mag, ist zum Bespiel auf den TYPO3 Camps, die es bundesweit gibt, gut aufgehoben. Zusätzlich gibt es noch die TYPO3 Developer Days, die einmal im Jahr alle Core-Entwickler und technisch Interessierten beheimatet.

 

Weitere Informationen zu TYPO3

Sollten Sie weitere Fragen zum Thema TYPO3 oder Neos speziell haben, dann erhalten Sie genauere Informationen über das TYPO3 Neos Kompendium von Herrn Lobacher. Dieses enthält immer die aktuellsten Neuerungen und Visionen zum Thema Neos und TYPO3.
Die aktuellste Version (27.08.2014) finden Sie unter diesem Opens external link in new windowDownload-Link. Informieren Sie sich auch auf Opens external link in new windowLobachers Webseite  oder via Opens external link in new windowTwitter  über Aktuelles rund um das Thema TYPO3.


Beispiele für Webseiten, welche auf der TYPO3-Neos basieren, bietet die Website neos.typo3.org.

 

 

*USP (Unique Selling Proposition): einzigartiges Verkaufsversprechen/ Alleinstellungsmerkmal eines Unternehmens

 

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, sind wir gerne für Sie da. Tel. : +49 781 919369-0 oder info@avenit.de

 

 

 

 

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BloggerRaphaela Krumhard

Seit 2013 arbeitet Raphaela im Online-Marketing bei der avenit AG. Sie hat Medien und Informationswesen (B.Sc.) an der Hochschule Offenburg studiert. Ihre Kernbereiche liegen in der Suchmaschinenoptimierung, dem Viral- sowie im Social-Media-Marketing. Sie begleitet Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Kommunikations-Strategien.

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